Die große Tour 2017: Papenburg - Emsland

Tat-und-Rat-Radlergruppe                            Bonn, im Juli 2017
Trude Kutsch und Horst Pleitgen   

 

Die Radler im Emsland
19 Tat-und-Rat-Radler machten sich vom 14. bis 17. Juli 2017 auf, um Papenburg und den Hümmling im Emsland zu entdecken. Zur angesetzten Zeit mittags um 12 Uhr trafen alle Radler in der „Historisch-Ökologischen-Bildungsstätte ( HÖB )“ in Papenburg ein. Die Idee zu dieser Tour haben wir unseren Mitradlern Hannelore und Heinrich Schlösser zu verdanken, die aufgrund ihrer langjährigen Urlaube in Papenburg dort nahezu Heimrecht genießen. Trude Kutsch hatte den Gedanken frühzeitig aufgegriffen und in Zusammenarbeit mit der HÖB die Reise organisiert. Die Leiterin, Frau Kuhlmann erklärte das Konzept des Hauses: Weiterbildung und Begegnungsstätte, Veranstaltungen und Seminare für Senioren. Von diesem Konzept profitierten wir dann die nächsten Tage.
Nach dem Mittagessen ging es gleich trotz starken Regens per Fahrrad zu dem „Highlight“ der Reise, zu der weltbekannten „Meyer-Werft“ in Papenburg. Nass, wie wir waren, erhielten wir im Besucherzentrum einen Raum zum Aufbewahren unserer nassen Regenkleidung. Dann führte uns ein sehr kompetenter Vertreter der Firma in die Historie und gegenwärtige Geschichte - versehen mit einigen Anekdötchen - der Meyer-Werft ein.
Die Werft existiere seit Ende des 18. Jh. und befinde sich seit dieser Zeit im Besitz der Familie Meyer, die damals „Jansen“ hieß. Weil es dort aber schon viele Jansen gab, habe der Standesbeamte bei dem Neueintrag eines Sohnes der Familie den Namen „Jansen“ einfach in „Meyer“ umgetauft.
Damals seien ausschließlich Holzschiffe gebaut worden. Ende des 19. Jh. sei man auf den Bau von Stahlrumpfschiffen mit Dampfmaschinenantrieb umgestiegen. In Papenburg habe es bis etwa 1920 zwanzig Werften gegeben. Nur die Meyer-Werft überlebte bis ins 21. Jahrhundert, unter anderem, weil das Unternehmen frühzeitig auf den Bau von Stahlrumpfschiffen mit Dampfantrieb umgestiegen sei.
Gegen Ende des 20. Jahrhunderts sei das Schwergewicht der Produktion auf den Bau von Kreuzfahrtschiffen gelegt worden. Die ersten Schiffe seien in einer knapp 400 m langen, 100 m breiten und 60 m hohen Halle gebaut worden. Mit einer zweiten Halle habe man dem Trend der Zeit nach immer größeren Schiffen entsprochen. Mit über 500 m Länge gehöre diese Halle weltweit zu den größten überdachten Baudocks.
Eine Vielzahl von Kreuzfahrtschiffen seien auf der Mayer-Werft bisher gebaut worden. In einer Sonderausstellung konnten die Wunderwerke der Technik bestaunt werden. Zum Abschluss gab es noch eine Führung durch eine Fertigungshalle, in der das Zusammenspiel der Fertigungsgänge bestaunt werden konnte. Das größte in den letzten Jahren gebaute Kreuzfahrtschiff habe 167.000 Bruttoregistertonnen betragen. Die jetzt geplanten Schiffe sollen bis zu  6000 Personen befördern können. Manchen von uns schauderte es, mit so einem Schiff zu fahren. Es ist ein Cluburlaub auf See: Fitness Einrichtungen, Wellness-Studios, Casinos, Einkaufsstraßen, alles vorhanden, Essen und Trinken zu jeder Tageszeit. - Mit welcher Genauigkeit, zeitlicher Planung, organisatorischem und handwerklichem Geschick hier gebaut und gearbeitet wird, das forderte uns Bewunderung ab.


Bei der Rückfahrt zu unserem Quartier regnete es wieder kräftig. Mit viel Einfallsreichtum und Geschick konnte die durchnässte Kleidung im Aufenthaltsraum bis zum nächsten Tag einigermaßen getrocknet werden. Gefahren wurden ca. 22 km.
Am nächsten Tag stand die „Hümmlingroute“ auf dem Programm. An dieser Fahrt nahmen nicht alle teil. Rd. 50 km mit einem normalen Fahrrad können zu viel sein. Die Fahrräder blieben über Nacht in Sögel, und die Heimreise trat die Gruppe mit dem Bus an.
Am Sonntag, 16. Juli, brachte uns ein Bus wieder nach Sögel. Dort wurde das Jagdschloss „Clemenswerth“ besichtigt: eine sehr großzügige und üppige Anlage für das Jagdvergnügen unseres Bonner Clemens-August. Das Schloss wurde als barockes Jagdschloss von Conrad Schlaun errichtet  mit achteckigen Saal und diversen Kabinetten. Acht kleine Gebäude rahmen das Hauptgebäude ein. Um das Schloss  gibt es einen 8 strahligen Jagdstern, der einzig noch erhaltene Jagdstern Deutschlands. - Mit seinem alten Baumbestand hat er uns sehr beeindruckt.
Danach wurde mit den Fahrrädern der 2. Teil der Hümmlingroute abgeradelt. Wieder rd. 50 km! Beachtenswert ist ein neu ausgebauter Pilgerweg von 80 km. Im Mittelpunkt eine Weidenkirche: Über ein Metallgerüst sind Weiden gezogen und bilden einen Kirchenraum. In der Mitte ein Weihestein von einem benachbarten Feld. Während der Rückfahrt begann es am Spätnachmittags wieder heftig zu regnen. - Noch bei trockener Wetterlage nahmen Horst Pleitgen und Helmut Rehm, den es wegen eines vergessenen Fahrradschlüssels per Taxi nach Hause drängte, die Gelegenheit zu einer Bootspartie in den Kanälen von Papenburg wahr. Das hatte auch seinen Reiz. Die große Gruppe kam wieder einmal durchnässt und erschöpft im HÖB an. - Der Abend endete fröhlich, bis jemand merkte, statt des Zimmerschlüssels den Fahrradschlüssel mitgenommen zu haben. Die Rezeption war schon geschlossen, aber es fand sich ein Gastbett.

Am letzten Vormittag stand die Besichtigung von zwei privaten Gärten an – diesmal bei Sonnenschein. Zu solcher Liebe und Hingabe für die Gartengestaltung muss man geboren sein. Der Besitzer und Gruppenleiter des ersten Natur-Gartens war immerhin schon um die 90 Jahre alt und noch sehr engagiert. Den zweiten Garten managt eine noch jüngere Frau, die auf jede andere Art von Urlaub verzichtet. Die Bilder werden uns an diesen schönen Garten erinnern. Es gab auch herrliches Selbstgebackenes, und so fuhren wir fröhlich zurück zur HÖB.
Mit diesen schönen Eindrücken aus der Gartenwelt fand die Fahrradtour ihr gutes Ende. Nach einem letzten Mittagessen wurden die Räder aufgeladen, und ab ging es nach Hause.


Mit freundlichen  Fahrradgrüßen
Trude Kutsch und Horst Pleitgen