Wanderung am 12. Nov. 2017 zur Burg Münchhausen

Die Burg Münchhausen ist die älteste Burg in der Gemeinde Wachtberg. Sie steht als Baudenkmal am äußersten Rand des Kottenforst in der Gemarkung Adendorf.Dieser Teil des Kottenforst ist durch die Parforce-Jagden im 18. Jahrh. geprägt. Die Hatzjagden endeten mit dem Tod des Kurfürsten Clemens-August im Jahr 1761.
Geblieben sind uns die schnurgraden,  strahlenförmig angelegten Wegesysteme. Sie kreuzen in sogenannten Sternen. Zur besseren Orientierung tragen die Wege Namen.
Ein abwechslungsreicher Wanderweg führt von Röttgen aus durch den Kottenforst nach Adendorf.
Wir fuhren mit dem Linienbus 603 bis "Röttgen - Schleife". Der Rulandsweg führt auf befestigtem Weg direkt in das Waldbebiet. Auf der "Merler Bahn" wanderten wir zum "Jägerhäuschen".  Das hübsche gelbe Gebäude diente in der Zeit der Parforce-Jagd als Pferdewechselstation. An der einladenden Sitzgruppe machten wir unsere erste Trinkpause - allerdings stehend, es war doch ziemlich feucht und kalt.
Als nächstes wurden wir auf die " Dicke Eiche" aufmerksam. 300- jährig stürzte sie im Jahr 2010 und behielt dennoch ihre Prominenz. Der Künstler Klaus Simon schuf aus dem 1,5 m dicken Mittelteil des Stammes einen Altar,  der in der 'Namen Jesu Kirche' in Bonn seine Bestimmung fand. Selbst in seinem maroden Zustand beeindruckt uns die Größe und Schönheit des restlichen Stammes.
Am "Großen Stern" wechselten wir die Richtung und wanderten direkt auf Adendorf zu. Waldabschnitte mit Buchen-, Eichen- und Fichtenbeständen wechselten ab. Und über die mit Stieleichen aufgeforsteten Parzellen zeigte sich zaghaft die Sonne. 
Infotafeln erläuterten uns, daß die Stieleichen-Aufforstungen seit 2010 ein Projekt der EU zur Bildung eines Wildgebietes sind. In diesem Gebiet erfolgt dauerhaft keine Holznutzung mehr.
Unbemerkt führte uns der Weg in die Gemeinde Wachtberg, ein flaches Gebiet mit Gemüseackern und Obstplantagen - und  einem Weitblick bis zum Ahrgebirge und bis zur Tomburg im Rheinbacher Wald. Das Gebiet der heutigen Gemeinde Wachtberg diente schon den Römern zur Versorgung der Legionslager in Bonn und Remagen. Sie bauten vor allem Getreide an.
Inzwischen wanderten wir auf dem Töpferweg. Das Töpferdorf Adendorf erlangte seine Bedeutung im 18. Jahrh. Der Tonabbau in geringer Tiefe und der Holzlieferant Kottenforst (zum Brennen der Keramik)  veranlasste Kannenbäcker aus dem Westerwald, sich in Adendorf anzusiedeln. Hier entstand das 'Rheinische Töpferzentrum'.Wir durchwanderten den alten Ortsteil mit den hübschen Fachwerkhäusern und gewahrten am Wegesrand die Burg Adendorf. Das heutige Privateigentum besticht mit drei schmucken Eckerkern,  gekrönt von schlanken Spitzhauben. 
Durch weitere Obstplantagen (es hingen für uns noch einige vergessene Äpfel in den Bäumen) gelangten wir in das Naturschutzgegiet "Swistbach Aue". Eingesäumt von Pappeln und Weidengebüsch durchqueren Spiessgraben,  Swistbach und Essigbach die saftige Weidefläche. Weiter nördlich vereinen sich die Bäche zum Swistbach. 
Nun sahen wir auch die Tonabbaugrube mit der hoch aufgeschichteten grau-weißen Masse des geförderten Ton.
Schon von Weitem erblickten wir den massiven Bergfried der Burg Münchhausen. Die Burg entstand im 9. Jahrh. am Swistbachufer auf einer fränkischen Motte. Wie viele andere Burgen wurde sie aus den Steinen der römischen Wasserleitung erbaut. 
Heute befindet sich hier ein Reiterhof und ein Kaffeerestaurant.  
Wir kehrten ein und erfreuten uns bei Kaffee und Kuchen an dem munteren Training der Pferde.
Als wir aufbrachen, dämmerte es schon,  und es war Zeit, die Heimfahrt anzutreten. 
Gisela Schneider