Dächelsberg und Rodderberg - Wanderung am 11. August 2019

Der günstigste Startpunkt für eine Wanderung durch das Drachenfelser Ländchen ist der Heiderhof. So fuhren wir mit der Bus-Linie 611 auf die Anhöhe und wählten unseren mittlerweile bekannten Wanderweg entlang des Friedhofs. Schnell hatten wir die Ortschaft Wachtberg-Liessem durchquert. Ein asphaltierter Wirtschaftsweg durch riesige Obstplantagen führte uns zu dem 'Höhenfriedhof Oberbachem'. Dort stießen wir auf den Wanderweg 'Dächelsberg - Runde', ein Teilstück des Themenwanderwegs 'Feuerroute'. Durch einen alten Buchen-Niederwald stiegen wir den 'Liessemer Berg' hinab in den Bereich des Dächelsberg. Begeistert untersuchten wir die alten knorrigen Buchenstämme. Der stillgelegte Steinbruch Dächelsberg zwischen den Ortschaften Wachtberg-Oberbachem und Nieder-bachem versteckt sich verborgen im Buschwerk eines Naturschutzgebietes. So mussten wir uns etwas gedulden, ehe wir das Naturdenkmal zu Gesicht bekamen.
Ein einladender Rastplatz ermöglichte uns während einer Trinkpause den Blick auf die Ortschaft Niederbachem.
Wir folgten weiter dem mit 'D' gekennzeichneten Weg. Eine Info-Tafel machte uns auf die 'Grube Jette' aufmerksam. Heute verschlossen und zugeschüttet, wurde früher in dem kleinen Bergwerk Quarzit abgebaut. Quarzit findet bei der Herstellung von feuerfeste Keramiken Verwendung.
Nun stiegen wir in das Tal des Mehlemer Bachs hinab und durchquerten die Ortschaft Oberbachem. Wir gewahrten einen freundlichen Dorfplatz mit Blumenbeeten und einem Brunnen inmitten z. T. unter Denkmalschutz stehender Gebäuden. Die Wanderroute führte uns auf den 'Eselsweg'. Auf einer originellen Info-Tafel wurde uns die Bedeutung des Weges mitgeteilt. Wir lasen, daß sich der Eselsweg für die Betreiber der umliegenden Vulkan-Steinbrüche als wichtiger Transport-Weg bewährte. So zogen jeweils 5 Pferde ein mit Steinquarden beladenen Karren. Z. B. wurden im Jahr 1841 Steinquarder aus dem in der Nähe liegenden 'Domsteinbruch' auf diesem Weg für den Weiterbau des Kölner Dom abtransportiert.
Der Wegweiser 'Aussichtsturm' machte uns neugierig. Wir stiegen einen kleinen Pfad zur Landstraße hinab und sahen den erst im Jahr 2015 errichteten Aussichtsturm. Nun endlich konnten wir von der obersten Plattform aus das 'Naturdenkmal Dächelsberg' betrachten. An den senkrecht stehenden Basaltsäulen erkannten wir den Vulkanschlot. In der ehemaligen Tuff-Abbaugrube hat sich mittlerweile ein kleiner See gebildet und ist Naturschutzgegiet und Paradies für seltene Tiere und Pflanzen.
Zurück auf unserer Wanderroute bewältigten wir den Aufstieg über den 'Steinreichsberg'. Der Anstieg verlief langgestreckt, aber schattig und angenehm kühl.
In einer Höhe von 190m wanderten wir über das Plateau in das 'Naturschutzgegiet Rodderberg'. Der Panoramablick entschädigte uns für den mühsamen Aufstieg. Das ganze Bonner Stadtgebiet war zu übersehen, das Siebengebirge breitete sich vor uns aus - und hinter uns am Horizont brauten sich Gewitterwolken zusammen, die uns ein wenig zur Eile trieben.


Der Rodderberg ist der nördlichste und (mit 500 000 Jahren) jüngste Vulkan unserer Region. Der Krater des erloschenen Vulkans ist nur als Mulde zu erkennen, in dem im 13.Jahrh. auf einer mittelalterlichen Motte der 'Broichshof' als Wasserburg gebaut wurde. Seit dem Jahr 1811 ist das Anwesen in Privatbesitz mit landwirtschaftlicher Nutzung und wurde mittlerweile zum Reitsportzentrum ausgebaut.
Die am Wegesrand liegende 'Broichshofkapelle' ist eine Stiftung der Eigentümer des Broichhofs und ließ uns kurz verweilen.
Nun verließen wir den Hauptwanderweg und bestiegen neugierig den Schlackenwall am Rande des Kraters. Mulden in der Erhebung zeugen vom Abbau des begehrten Tuff. Heute ist das Gelände mit Trockenrasen überzogen. Eine ganz spezielle Flora und Fauna, die z. T. auf der 'Roten Liste' steht, fühlt sich hier auf dem warmen vulkanischen Gestein wohl.
Neben den hübschen Blumen beeindruckte uns wiederum der Ausblick auf Petersberg und Drachenfels mit Drachenburg, sowie das Drachenfelser Ländchen, welches wir heute durchwandern haben.
Der Abstieg führte uns zu dem Schlot eines nördlich gelegenen Nebenkraters. Seiner Gesteinhärte ist zu verdanken, daß er beim Abbau des weichen Tuff verschont blieb. Nun steht er geschützt in einer großen Abbaumulde.

Mit diesem Anblick und vielen schönen Eindrücken verabschiedeten wir uns vom Rodderberg. Ein kleiner Pfad brachte uns abwärts nach Mehlem, wo wir in einem kleinen Kaffee unseren Wandertag ausklingen ließen. Das Gewitter hat uns verschont, und die Heimfahrt mit den Bussen der Linie 613 und 611 klappte auch hervorragend.

Gisela Schneider