Zum Bleibtreu-See - Wanderung am 14. Juli 2019

 Der Wetterbericht hatte uns für den heutigen Wandertag gemäßigte Juli-Temperaturen angesagt. Heute zahlreich vertreten und voller Vorfreude fuhren wir mit der U-Bahn Linie 18 nach Hürth-Fischenich im Rhein-Erft-Kreis. Unsere heutige Wanderroute führte uns großenteils über den Römerkanal-Wanderweg.

Der 111 km lange Römerkanalwanderweg folgt dem Trassenverlauf der römischen Wasserleitung. Mit der Ende des 1.Jahrh. n. Chr. erbauten Anlage wurde Köln täglich mit 20 000 m3 frischem Eifelwasser versorgt. Nach Abzug der Römer Ende des 3. Jahrh. verfiel die Leitungsanlage und wurde im Mittelalter zur Gewinnung von Baumaterial abgebrochen.
Das markante Wegezeichen des Römerkanal-Wanderwegleitete uns durch den noch sehr bäuerlich geprägten Ort Fischenich mit seiner im Mittelalter erbauten Burg. Ein Hinweisschild machte uns auf die sichtbaren Bereiche des Römerkanal-abbruchs in den Mauerresten der Burgruine aufmerksam.

Bald führte uns der Wanderweg in das dichte Waldgebiet der Villeseen. Als erstes trafen wir auf den Kierberger See, auch Margarethenweiher genannt. Schmal und langgestreckt ist er der kleinste der Villeseen. Der zum Teil mit Schilf abgegrenzte Uferweg nah am Wasser war besonders reizvoll.
Wir überquerten die B265 und gelangten in die herrlichen Laubwälder, die den Bleibtreusee umschließen. Am Wegesrand erblickte  wir einen weiteren See. Die Sonne spiegelte sich in dem Nordfeldweiher.
Steil abwärts ging es zu dem etwas tiefer liegenden Bleibtreusee. Er ist der größte der Ville-Seen-Platte. Er entstand im Jahr 1930 (wie alle Villeseen) im Zuge der Renaturierung des ausgekohlten Braunkohle-Abbaugebietes. Namensgebend für die Villeseen sind die ehem. Eigentümer und Betreiber der Abbaugruben und Verarbeitungsbetriebe.
Der Bleibtreusee gehört zu den wenigen Seen mit Freizeitangeboten. Der kleine Sandstrand, die riesige Wassersportanlage und der Uferrundweg laden Wassersportfreunde aller Interessengruppen, Wanderer und Spaziergänger ein.
Wir legten eine kleine Rast ein, um dem munteren Treiben der Jugendlichen zuzuschauen. Bei dem schönen Wetter und dem kürzlichen Ferienbeginn 'ging es hier hoch her'. - Wir erwanderten einen Abschnitt des Uferrundweges.

Erneut überquerten wir die B265 und erfreuten uns auf dem Römerkanal-Wanderweg über die wiedergewonnene Ruhe. Tief unten im Tal erblickten wir einen weiteren See, den Gruhlsee. Über einen Trampelpfad kürzten wir unseren Weg nach Brühl-Kierberg und seinem historischer Bahnhof ab.

Der Bahnhaltepunkt Kierberg liegt in einem kleinen idyllischen Park. Er wurde im Jahr 1875 im Stil einer großbürgerlichen Villa als Vergnügungsstätte erbaut. Kaiser Wilhelm l. nutzte den Bahnhaltepunkt, um während der Herbstmanöver in der Eifel im Schloss Augustusburg übernachten zu können. Schnell gelangte er mit seiner Kutsche über eine prächtige Kastanienallee zum Brühler Schloss - die Namen Kaiserbahnhof und Kaiserstraße entstanden. Das Gebäude hat beide Weltkriege überstanden und bietet nach mehreren Renovierungen wieder ein Restaurant mit Biergarten an.

Wir hatten uns einen Tisch reservieren lassen und gestalteten unsere Schlussrast diesesmal mit herzhaften Speisen. Anschließend ließen wir es uns nicht nehmen, von diesem Bahnhof aus in den Zug der DB zu steigen.

Wir hatten vor, in kürzester Zeit mit Umstieg in Hürth-Kalscheuren nach Bonn zurück zu kehren. Die DB machte uns aber einen Strich durch die Rechnung. Erst ließ sie uns eine Stunde vergeblich warten, dann meldete sie uns eine weitere Zugverspätung von einer Stunde. Kurzerhand machten wir uns auf den Weg und marschierten zu der verlässlichen U-Bahn der Linie 18.
Dadurch war der Wandertag sehr lang, aber es war trotzdem schön.

Gisela Schneider