Über den Ennert zum Kloster Heisterbach - Wanderung am 10.11.19

Heute fuhren wir mit dem Bus der Linie 608 in den Beueler Stadtteil Pützchen - Bechlinghoven, der am Fuß des Höhenzuges Ennert liegt.
Selbst in der Mittagszeit war es noch ungewohnt kalt - wir rechneten aber mit dem vorhergesagten Sonnenschein. Wir wanderten am 'Waldkaffee' vorbei und weiter über die Straße 'Küpper's Garten' nach Holzlar.

Eine kleine Holzbrücke über den Mühlenbach ermöglichte uns den Zugang zu einem kleinen Einod: Hinter korrekt geschnittenen Hecken verbirgt sich der kleinste Friedhof (12 × 25m) in Bonn, zugleich einer der ältesten evangelischen Begräbnisstätten des Rheinlandes. Von den heute noch erhaltenen 49 Gräbern fällt zuerst der Grabstein mit der Nameninschrift - M. Linder - und der Jahreszahl 1658 auf.Zehn Jahre nach dem 30 jährigen Krieg beerdigte der Holzlarer Bauer Herm. Linder seine Frau (wegen konfessioneller Konflikte mit den Nachbarn) in seinem Baumgarten. Im Volksmund spricht man von dem Friedhof auch als 'Linder's Garten'.Später fanden auch andere konfessionsgleiche Bürger ihren Platz in der Ruhestätte, die im Jahr 1968 geschlossen und im Jahr 1983 in die Denkmalliste der Stadt Bonn eingetragen wurde.

Ein schmaler Pfad führte uns den Ennerthang hinauf in das geschlossene Waldgebiet, das zwar am Rand des Naturschutzgebiet Siebengebirge liegt, aber zum Pleiser Hügelland gehört. Der Wegesname 'Am Holzlarer See' kennzeichnet die Gegend. Der See ist die Hinterlassenschaft des ehemaligen Kohle- und Alaunabbaus auf dem Ennert. Die Grube füllte sich mit Wasser und wurde zum beliebten Naherholungsgebiet. Erstaunt stellten wir fest, daß die für den Winter angekündigte Trockenlegung des Sees schon erfolgt ist. Renaturierungsmaßnahmen zur Erhöhung des Hochwasserschutzes machen die Trennung von See und Holtorfer Bach notwendig. Der Holtdorfer Bach entspringt in der Nähe von Niederholtorf und ist ein Teil des Vilicher Bachsystems. Das bedeutet, daß sein Wasser schließlich in den Rhein fließt.

Nun forderte uns der weitere Wanderweg heraus. Es ging steil aufwärts in die Ortschaft Niederholtorf und - nach einer verdienten Rast - durch die Ortschaft Oberholtorf. Hier machten wir einen kleinen Abstecher zu den Grundmauern einer mittelalterlichen Saalkirche. Neu aufgestellt wurde auf dem Areal ein 75 kg schwerer Grenzstein mit den Initialen 'HB'  für Heisterbach und dem Krummstab des Abtes. Der Stein wurde bei Feldarbeiten gefunden und restauriert.
Schweren Herzens verließen wir die einladenden Bänke 'mit Sonnenbad' und wanderten durch die schon für das Frühjahr vorbereiteten Ackerflächen auf den Paffelsberg. Bei einer anderen Wanderung haben wir erfahren : Paffelsberg - 195m - Bonn's höchster Punkt.

Mit der Querung der Langemarckstraße betraten wir das Naturschutzgegiet Siebengebirge mit der Dollendorfer Hardt. Ein bequemer breiter Weg führte uns durch buntbelaubten Buchenwald, und die Sonne tat ihr Möglichstes.
Am 'Hardt-Rundweg' teilte sich die Wandergruppe. Der wunderschöne Rundweg war wegen eines anspruchsvollen Aufstiegs eine Herausforderung, der sich ein Teil der Gruppe nicht stellen wollte. -Wir trafen uns in dem Restaurant des Kloster Heisterbach wieder zu unserem gemeinsamen Kaffeetrinken.
Die Anlage blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bereits im Jahr 1192 zogen Zisterzienser in das Heisterbacher Tal und erbauten dort eine riesige Klosteranlage. Infolge des 'Reichsdeputationshauptschlusses' von 1803 wurde das Kloster aufgelöst und später zum Abbruch verkauft. - Seit 1984 kümmert sich die gemeinnützige Stiftung Marienborn GmbH um Erhalt und Entwicklung der Klosterlandschaft. Das barocke Pfortenhaus aus dem Jahr 1750 lädt zum Eintritt in die Anlage ein. Und die bekannte  Chorruine des ehem. Klosters inmitten herbstlich gefärbter Bäume war ein Foto wert. 
Ein Bus der Linie 520 und die Stadtbahn 66 brachten uns in Bonn's lautes Stadtleben zurück.
Gisela Schneider