Durch das Klufterbachtal

Wir hatten für heute eine Wanderung durch einen Teil des Bonner Stadtwalds geplant und fuhren mit einem Bus der Linie 602 zum Plateau des Venusbergs hinauf. An der Haltestelle 'Altenheim' starteten wir unseren Weg durch die 'Waldau'
Die 'Waldau' ist die Flurbezeichnung für einen Teil des Bonner Stadtwaldes im Ortsteil Venusberg. Im Mittelalter war dieses  Waldgebiet ein Hutewald und diente zum Holzeinschlag. Im späten 19. Jahrh. kam es zu größeren Waldrodungen und landwirtschaftlicher Nutzung. Die Uni Bonn errichtete  vorübergehend ein Versuchsgut - den Annaberger Hof - auf dem 'Annaberger Feld'. Im Jahr 1908 kaufte die Stadt Bonn einen Großteil der Freifläche und forstete sie wieder auf. Ein ehem. Gutsgebäude wurde zu dem Ausflugslokal 'Waldau' umgebaut, in dem wir unsere heutige Schlussrast angemeldet hatten. 
Nach kurzer Wegstrecke standen wir vor den saftigen Weiden des 'Annaberger Felds'. Zahlreiche Pferde ließen sich das Grün schmecken. Der jetzige Besitzer des 'Annaberger Hofs' hat sich seit 1996 auf Pferdesport und -zucht spezialisiert. 
Auf einer kleinen Obstbaumallee durchquerten wir die Weiden und gelangten über 'Rheinhöhenweg' und 'Pionierweg' zu dem Einstieg in das 'Klufterbachtal'. Ein abfallender Weg durch schattigen Buchenwald führte uns in das durch Tiefenerosion entstandene Kerbtal, dessen zurklüftete Sandsteinwände teilweise mit grünen Moosflächen überzogen sind. Der Klufterbach speist sich aus den Entwässerungsgräben des Kottenforst-Plateaus. Sein natürlicher Verlauf endet in einem Geröll - und Hochwasserbecken an der Talsohle des Venusbergs im Bonner Ortsteil Friesdorf. 
Der Eiskeller am Wegesrand, an dessen Tür um die Winterruhe der Fledermäuse gebeten wird, ist ein in den Felsen gebrochener Keller. Hier wurde in früheren Zeiten das selbstgebraute Bier einer nahegelegenen ehem. Schankwirtschaft gelagert. 
Unser weiterer Weg führte uns am Fuß des Venusbergs vorbei. Ruhige Straßen wechseln hier mit Fußwegen ab. Schmucke alte Fachwerkhäuser fallen zwischen den Wohnhäusern auf. An der Ecke  'Annaberger Straße' sticht das aus dem 12. Jahrh. stammende `Turmhaus' hervor. Es ist eines der ältesten Wohnhäuser des Rheinlandes. Die 'Ritter von Friesdorf' bewohnten die Hofanlage bis ins 14. Jahrh. 
In der Straße 'Am Bachele' trafen wir auf den 'Leyenhof'. Am Wegesrand wieder ein belehrendes Hinweisschilder mit (verkürztem) Text:
In Verbindung mit dem schonenden Bioland-Anbau des Leyenhof provitieren viele Wildkraut-, Vogel- und Kleintierarten von dem vielfältigen Lebensraum. Schon seit dem Mittelalter gibt es den Leyenhof. Er lag damals in einer sumpfigen Niederung. Alte Flurbezeichnungen wie Obermaar, Kluftermaar und Wasserland weisen darauf hin. Der Grund: Wir befinden uns in der Niederung eines ehem. Altrheinarms, welcher 'Gumme' genannt wird. Der Nebenfluss verlief ab Godesberg am Kottenforsthang vorbei nach Bonn und sogar nach Brühl. 
Wir wanderten weiter und überschritten die Grenze zum Bonner Ortsteil Dottendorf. 
Die verkehrsberuhigte Wohnanlage an der 'Damaschkestraße' wurde in den 1950 Jahren für Regierungsbeamte gebaut. Wir wanderten an der im Jahr 1904 erbauten 'Villa Mönkemöller' (Stefan Mönkemöller war Inhaber der Rheinischen Elektro- Stahlwerke) vorbei und streiften die 'Robert Janker-Klinik'. Um unseren Rundweg einzuhalten, nutzten wir einen Hang-Treppenaufgang und wanderten einen breiten aber kurvenreichen Weg zum Venusberg-Plateau hinauf. 
Vorsorglich hatte sich ein Teil der Gruppe zu einer Abkürzung entschlossen. Das stete Auf und Ab dieses Weges verlangte trotz seiner Schönheit einige Kräfte ab.Unsere Verschnaufpause konnten wir bei zaghaftem Sonnenschein genießen. Wir hatten das Glück, daß der Dauerregen für heute eine Pause eingelegt hat. 
Zum Schluß unserer Wanderung erreichten wir ein Wildgehege. Seit 1961ist das Gehege ein Besuchermagnet auf der 'Waldau.' Wildschweine, Rothirsche und Damwild lassen sich von den Ausflüglern bestaunen und auch füttern. Der kurze Weg entlang des Abenteuerspielplatzes mit seinem munteren Treiben und einem Natur-Info-Zentrum führte uns zu dem Ausflugslokal. 
Gemeinsam mit unseren 'Abkürzlern' genossen wir unsere Schlussrast und ließen uns anschließend von dem Bus Linie 602 in Bonns Innenstadt zurückbringen.
Gisela Schneider