Wanderung am 9. April 2017: Brühler Schlösser und Entenfang

Schon im Mittelalter hielten die Kölner Erzbischöfe im sogenannten Tiergarten in Brühl ihre Jagd ab. Die Waldparzelle wurde durch einen Wassergraben begrenzt. Inmitten stand ein Wasserschloss. Im Jahr 1725 ließ der Kölner Kurfürst Clemens August auf den Ruinen des Wasserschlosses das Schloss Augustusburg errichten. Ebenfalls jagdbegeistert, ergänzte er am Waldrand ein Jagdschloss: Schloss Falkenlust. Beide Schlösser sind durch die 2,5 km lange Falkenluster Allee verbunden. Die Wahl des Bauplatzes richtete sich nach der Flugroute der Graureiher, die von ihrer Kolonie am Kerpener Bruch zu ihren Fischgründen an einen Rhein-Altarm führte. Von der Glaskuppel seines Jagdschlosses aus ließ er abgerichtete Falken auf die Vögel los, ...... und ließ nach erfolgreicher Jagd die Graureiher wieder fliegen. Inzwischen hat sich eine Population der Graureiher im Schloß park angesiedelt und baut hoch oben in den Korkeichen ihre Nester.

Schloss Augustusburg und Schloss Falkenlust zählen seit 1984 zum UNESCO-Weltkulturerbe, und der Schlosspark ist zusätzlich Naturschutzgebiet.

Wir fuhren mit dem Zug nach Brühl und umwanderten den Schlosspark auf einem schmalen Pfad, begleitet von dem Wassergraben, der den großen und kleinen Inselweiher speist. Frühblüher in allen Farben bedecken den Waldboden, wir kannten viele der Blumen mit Namen. Nun sahen wir auch die Graureiher, wie sie sich in den Nestern streckten und mit den Flügeln schlugen.

Unser Weg mündete in die Falkenluster Allee. Wir folgten dem Weg, mussten aber erst die Bahntrasse Köln - Bonn kreuzen. Als 'Technische Sensation' führte der Gartenarchitekt Lenné 1844 die Bahnlinie mitten durch den Park.

Wir verschoben die Schlossbesichtigung auf unseren Rückweg, verließen den Park und wanderten entlang einer rekultivierten Kiesgrube in Richtung Wesseling. Bald hatten wir die Stadtgrenze erreicht und durchwanderten den Stadtteil Berzdorf. Japanische Zierkirschen, Forsythien und Flieder blühten in den Gärten und machten den Weg kurzweilig.

Über lange Zeit hinweg wandelte sich eine Altstromrinne des Rhein zu einer Feuchtwiese, und nach seiner Entschlammung entstand das heutige Naturschutzgebiet Entenfang. (Der Kurfürst hatte hier eine Entenfanganlage errichten lassen, um seinen Speiseplan zu ergänzen.) Mit einem großen Rasenanteil, Spazierwegen und Spielgerärten ist der Entenfang Wesselings Naherholungsgebiet. Einen der vielen Rastplätze belegten wir für unsere Mittagsrast.

Die übriggebliebene Wasserfläche des Rheinarm wird als Biotop durch dichte Hecken geschützt. Durch "Fenster" beobachteten wir das Treiben der Wasservögel.

In großem Bogen durchwanderten wir Wiesen und Ackerflächen und schlossen mit Schloss Falkenlust unsere Rundwanderung ab. Durch ein schmuckes Gitter betrachteten wir das schneeweiße Gebäude. Auch auf eine kleine Kapelle wurden wir aufmerksam. Ihr Schmuck aus Mineralien, Muscheln und Schneckenhäusern gab ihr den Namen: Muschelkapelle - ein Rückzugsort des Kurfürsten.

Der hiesige Park zeichnet sich hier durch blühende Magnolien und Kirschbäume aus. Vereinzelt stehen uralte, marode Baumriesen in dem Gelände und dienen Vögeln und Fledermäusen als Unterschlupf. Aufwändig umzäunt und geschützt ist auch ein 300 Jahre alter Esskastanienbaum.

Auf der Falkenluster Allee angelangt, blieb uns nur der gleiche Weg als Rückweg. An einer Kreuzung wurde uns plötzlich der Blick auf Schloss Augustusburg freigegeben. Die Fassade des Schlosses und die Parkanlagen im barocken Stil waren in der Sonne hübsch anzusehen. Die "in Form erzogenen" Linden beiderseitig des Weges sind noch der einzige Bestand aus der Zeit des Kurfürsten. Leider hatten sie noch nicht ausgetrieben.

Die plötzliche Wärme hatte uns müde gemacht, und der Kaffeedurst war groß. Also suchten wir uns ein nettes Kaffeehaus aus und fuhren anschließend heim.

Gisela Schneider