Philosophie einmal anders: Zum Sehen und Hören - Schauspielhaus Bad godesberg

Paul Huesmann regte in seinem Philosophiekurs an, das Stück „Candide“ von Voltaire im Schauspielhaus in Bad Godesberg zu besuchen. Das Stück wird dann im Philosophiekurs besprochen. Also machten sich an zwei Samstagabenden im Oktober die „Huesmänner“ auf den Weg ins Theater und bekamen dort ein 2 ½ stündiges Schauspiel mit Musik geboten, das man - auch wegen der Lautstärke - nicht so rasch vergisst.
Die eingespielte Rockmusik ging oft wirklich durch Mark und Bein und man konnte das Erdbeben von Lissabon regelrecht spüren.

 

Satire auf den Optimismus

Das Stück spielt im 18. Jahrhundert und es geht um einen jungen Mann namens Candide, der unter privilegierten Umständen bei einem Baron auf dessen Schloss aufwächst und vom Hauslehrer und Philosophen Pangloss erzogen und ausgebildet wird.
„Wir leben in der besten aller Welten“, lässt Voltaire den Hauslehrer des Candide sagen. Und der Jüngling glaubt jedes Wort, das sein Meister von sich gibt. Doch schon bald brauen sich Unwetter über Candide und seiner geliebten Kunigunde, der Tochter des Barons zusammen: Weil er sie küsst, wird er aus dem Schloss geworfen, er gerät in die Armee, muss Spießruten laufen, wird gejagt, misshandelt, erleidet Schiffbruch, wird betrogen, von falschen Freunden verraten, kommt fast in einem Erdbeben um (dem berühmten von Lissabon), wird mehrmals gefangen genommen und er zweifelt, ob er wirklich in der besten aller Welten lebt. Kunigunde erleidet ein ähnliches Schicksal. Das Schloss wird während eines Krieges geplündert und sie selbst wird als Sklavin verkauft und kommt über Lissabon, Buenos Aires und Venedig nach Konstantinopel. Hier trifft Candide die verletzte Kunigunde und den tot geglaubten Pangloss. Candide heiratet Kunigunde, kauft ein Stück Land und alle tragen mit ihrer Arbeit dazu bei, dass sie leben können. Die optimistische Philosophie des Pangloss ist ja ganz gut, aber der Garten muss bestellt werden, das heißt, man muss von irgendetwas leben. Das ist nunmehr Candides Lebensmotiv.

 

Wo und wie passiert es?

Das Stück ist in zwei Akte geteilt. Die Schauspieler agieren auf einer schrägen, dem Publikum zugeneigten Scheibe, quasi auf dem Präsentierteller. Die Gesichter von Candide und Kunigunde sind bemalt, aber auf Grund der Garderobe kann man die Figuren gut unterscheiden. Als Bühnenbild fungieren verschiedene Gerüste und Scheiben und die durchweg jungen Schauspieler haben keine Probleme sich auf und in den jeweiligen Bühnenbildern zu bewegen. Dazu spielt eine zum Teil laute Rockband und untermalt die Szenerie, wie z.B. das Lissaboner Erdbeben. Der Regisseur Simon Solberg stellt oft Verbindungen zur heutigen Zeit dar, z. B., wenn er den Statthalter von Buenos Aires als BAMF-Mitarbeiter auftreten lässt, der Candide und seinen Begleitern keinen Aufenthalt gewährt, sondern sie als Wirtschaftsflüchtlinge abweist.

 

Resümee

Ein Musikstück, das nach einer Phase der Eingewöhnung gefällt und auf Grund seiner Thematik eigentlich immer aktuell ist. Geht es doch um Kernpunkte der Menschen und deren Zusammenleben, nämlich Liebe, Religion, Krieg, Reichtum, Armut, Gehorsam. Diese Begriffe gut gemischt bieten eine gute Basis für ein lebendiges Theater.

 

von Michael Sahner