BonnTour im September 2018

Graffiti: Schmiererei oder moderne Kunst?

 

Um diese Frage ging es Anfang September bei zwei Wanderungen durch Bonn im Rahmen unserer BonnTouren

 

 

 

Wandmalereien und Ritzungen sind so alt wie die Menschheit, doch das, was wir heute als moderne Graffiti bezeichnen, fing in den 1960er Jahren mit Kritzeleien an Häuserwänden in amerikanischen Großstädten an. Verschiedene Jugendbanden markierten so die Straßenzüge, die sie jeweils für sich als Revier beanspruchten. Das erläuterte die Kunsthistorikerin Conny Reschke den ca. 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei ihrem Gang durch die Bonner Innenstadt. Engagiert und anschaulich beschrieb sie die Bonner Szene, die allerdings inzwischen - zumindest teilweise - die Illegalität verlassen und sich zur "Street Art" gemausert hat. (Am besten wohl übersetzt als "Stadt-Kunst", denn "Straßenkunst" ist im Deutschen etwas anderes).

Etliche Auftragswerke für ehemalige Graffito-Künstler tragen inzwischen zur Verschönerung des Bonner Stadtbildes bei, man muss nur danach Ausschau halten. Sie finden sich z.B. an vielen Schaltkästen der SWB (einer davon im Bonner Hofgarten). Der Verein "Bürger für Beethoven" hat jüngst zum Beethoven-Jubiläum ein Werk gestiftet. Es prangt als grandioses Portrait des Musikers in furioser Aktion auf einer Giebelwand an der Ecke Kaiserstraße-Weberstraße in der Bonner Südstadt. Der ein oder andere wird sich auch noch an die wundervolle Ausmalung des "Bonner Lochs" erinnern, bevor es dem Neubau am Hauptbahnhof weichen musste.

Der beste Schutz gegen Graffiti-Schmierereien ist übrigens laut Conny Reschke ein schönes Bild an der Fassade. Für Graffiti-Maler gibt es nämlich eine eiserne Regel: "Übermale nichts, wenn du es nicht besser kannst". Der Augenschein bestätigt, dass diese Regel eingehalten wird.