BonnTour am Dienstag, 30. Mai 2017    Ägyptisches Museum Uni Bonn - Koblenzer Tor


Gar nicht so sehr bekannt ist das Ägyptische Museum der Universität Bonn, das 2001 eröffnet wurde, sich in einem Seitenflügel des Koblenzer Tores befindet und Ziel unser BonnTour war.

 

Unter fachkundiger Führung eines Masterstudenten der Ägyptologie erhielten wir zunächst einen Überblick über die Geschichte des Landes am Nil, dessen Hochkultur um 3000 v. Chr. mit der Schaffung eines Königreiches durch die Vereinigung von Ober- und Unterägypten unter dem legendären Pharao Menes, der in Memphis residiert haben soll, begann und 667 v. Chr. mit dem Niedergang vom Großreich zur assyrischen Provinz endete. An einem Modell erhielten wir zunächst einige Informationen über den Pyramidenbau, der sich mit der Zeit von der einfachen Grabkammer zum hochkomplexen Bauwerk entwickelte. Sehr interessant waren auch die Erklärungen zur Hieroglyphenschrift. Als frühe Hochkultur war Ägypten eine von nur vier Regionen auf der Welt, in der es zur Erfindung einer Schrift kam. Texte auf Gesteinsbrocken und Tonscherben (Ostraca), Papyrus sowie Pergament gaben einen Überblick über die ägyptische Schriftkultur. Mit ursprünglich etwa 700 und in der griechisch-römischen Zeit etwa 7000 Zeichen gehören die ägyptischen Hieroglyphen zu den umfangreicheren Schriftsystemen.

Das Ägyptische Museum stellt in zahlreichen Themenvitrinen wesentliche Aspekte der pharaonischen Kultur vor. Im Bereich Keramik wird gezeigt, wie sich Gefäßformen mit der Zeit verändern, was sie über Gebrauch und Inhalt erzählen und wie sich die Keramik verschiedener Ethnien in Ägypten unterscheidet. Werkzeuge und Waffen demonstrieren, dass Stein im Niltal ein universeller Rohstoff war, aber auch Holz und Metall genutzt wurden. In weiteren Vitrinen werden die Themenbereiche Ideologie und Religion der Ägypter anschaulich behandelt. Dort waren Objekte der Totenausstattung und zur Mumifizierung sowie ein prächtig bemalter Sarg zu sehen. Eindrucksvoll auch das wandfüllende Relief einer Schlachtszene aus dem Alten Reich.

Abschließend ging es durch den Bereich der Studiensammlung. Hier werden in acht Großvitrinen sowie mehreren Sammlungsschränken die Bestände des Museums für den akademischen Unterricht verwahrt. Wir bestaunten hier u. a. hervorragende Leistungen der Töpferkunst. Steinobjekte, Kleinbronzen, Holzobjekte, Uschebties (Totenfiguren) sind mit originellen Beispielen aus allen Epochen vertreten. Einzelvitrinen beherbergen Amulette und Miniaturen, Skarabäen z. T. mit gravierten Bodenplatten sowie Schriftzeugnisse. Einen besonderen Schwerpunkt der Studiensammlung bilden die reichen Funde von der Qubbet el-Hawa, einem Gräberberg bei Assuan, der hauptsächlich zwischen 2300 und 2000 v. Chr. für Beisetzungen von hohen Beamten genutzt wurde. Fest mit der Entdeckungs- und Forschungsgeschichte dieses Areals verknüpft ist der Name des ehemaligen Bonner Professors für Ägyptologie Elmar Edel (1914 –1997), der zwischen 1952 und 1981 die archäologischen Arbeiten leitete. Unter den Fundstücken befinden sich in Europa einzigartige Objekte wie eine große Menge mit althieratischer Schrift beschriebener Tontöpfe, zwei der nur an der Qubbet el-Hawa gebräuchlichen bemalten Schalen und die Reste einer antiken Bronzegusswerkstatt. Mit vielen neuen Erkenntnissen über die Kultur des alten Ägyptens versehen, beendeten wird diese eindrucksvolle BonnTour.