St. Remigius in Bonn - Besuch am 21. Okt. 2017

Die älteste noch erhaltene gotische Kirche in Bonn besuchten 15 Mitglieder von Tat&Rat. Die Führerin erläuterte die erste Errichtung der Kirche durch Franziskaner im 13. Jahrhundert, die hier mit Unterstützung des Kölner Erzbischofs eine Klosteranlage schufen - damals St. Ludwig. Von den Werkstätten ist nichts mehr zu erkennen, nur Kreuzgang, Kapitelsaal und heutige Sakristei sind im Grundsatz erhalten geblieben. Die Kirche wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach zerstört, sei es durch Brände, Beschuss oder durch Bomben und auch bei den Wiederaufbauten nach 1945 mehrfach umgestaltet. Das Kloster wurde 1803 im Zuge der Säkularisierung aufgehoben. Heute ist hier die Katholische Hochschulgmeinde zu Hause und in dem modernen Anbau untergebracht.
Der Bau ist eine Pfeilerbasilika mit sehr hohem Mittelschiff. Dennoch zeigt der Bau keine Strebebogen zur Ableitung der Schubkräfte des Gewölbes. Eine Besonderheit ist die quadratische Ausfüllung der Spitzbögen sowohl an der Fassade als auch in dem Wandfenstern. Kein Kirchturm ist vorhanden, nur ein Dachreiter ragt über das steile Dach hinaus. Die Franziskaner als Bettelorden bezeichneten sich als 'Mindere Brüder' (Ordenskürzel: OFM; lateinisch: ordo fratrum minorum, deutsch: Orden der Minderen Brüder), daher der Straßenname Brüdergasse. Interessant war ein Hinweis der Führerin, dass das viele Grau in der Kirche und besonders in Glasfenstern einen Grund haben dürfte in der Kutte der Franziskaner, die früher grau gewesen sei.

Im Inneren zeichnet sich die Kirche durch Schlichtheit aus. Das ist der letzte Schritt mehrfacher Umbauten im Laufe der Jahrhunderte, der sowohl die frühere Bemalung der Wände als auch der zerstörte barocke Hochaltar zum Opfer fielen. Heutige Schmuckstücke sind in erster Linie das Taufbecken, die Kanzel und eine Marienskulptur sowie mehrere großformatige frühere Altargemälde, die jetzt gezielt positioniert sind. Taufbecken und Kanzel stammen aus der früheren Remigiuskirche, die auf dem heutigen Remigiusplatz (Blumenmarkt) stand und im Jahr 1800 durch Blitzschlag abbrannte. Damals wurde auch das Patrozinium übernommen, und seitdem heißt die Minoritenkirche St. Remigius.


Die größte Aufmerksamkeit erfährt der Taufstein. An diesem wurde - noch in der früheren Remigiuskirche - Ludwig van Beethoven am 17. Dez. 1770 getauft.

 

Während der Sanierung des Münsters ist die Kirche Ausweichquartier der Münstergemeinde. Daher steht jetzt hier die 'Bittkerze des Bonner Rates', die jährlich zum Patronatsfest des Münsters am 15. Oktober gestiftet wird und jetzt in St. Remigius entzündet wurde.
Das schmiedeeiserne Tor als Abschluss von der Brüdergasse wurde dem großartigen barocken Original an dieser Stelle nachgebaut.